
Kanäle und Vertrieb
Einkaufstourismus Schweiz: Umfang und Entwicklung bis 2025
Einkaufstourismus meint grenzüberschreitende Fahrten, bei denen der Einkauf Hauptzweck ist.
Was Einkaufstourismus umfasst – und wie er erhoben wird
Einkaufstourismus meint grenzüberschreitende Fahrten, bei denen der Einkauf Hauptzweck ist. Freizeitfahrten und Pendelwege mit gelegentlichen Einkäufen zählen nicht dazu; erfasst wird der angegebene Fahrtzweck und nicht jeder einzelne Einkauf.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) führte 2015 die Erhebung «Alpen- und grenzquerender Personenverkehr 2015» an Grenzposten und Alpenübergängen durch. Sie erfasste den Strassen- und Schienenverkehr; die Schweizer Alpenübergänge passierten im Tagesdurchschnitt 110'000 Personen.
Die BFS-Zahlen beschreiben Grenzübertritte und Fahrtzwecke. Die Studie «Einkaufstourismus Schweiz 2025» des Instituts für Handelsmanagement der Universität St.Gallen (IRM-HSG) erfasst unter anderem Ausgaben und Einkaufsbesuche. Grenzverkehr und Ausgaben sind verschiedene Messgrössen.
Wie viele Grenzübertritte dem Einkaufen dienen
2015 überquerten täglich durchschnittlich 2,2 Millionen Personen die Schweizer Grenze auf der Strasse oder auf der Schiene. Im Strassenverkehr waren es 2,1 Millionen Personen in 1,1 Millionen Fahrzeugen; 97 Prozent davon waren Personenwagen. Auf der Schiene wurden täglich 80'500 Grenzübertritte registriert.
Einkaufen war der dritthäufigste Fahrtzweck: Bei 24 Prozent der Fahrzeuge wurde es genannt, nach Freizeitaktivitäten (39 Prozent) und Pendeln (29 Prozent).
Je nach Immatrikulationsland unterschied sich das Bild deutlich. Bei Fahrzeugen mit Schweizer Kennzeichen nannten 44 Prozent Freizeit und 41 Prozent Einkaufen als Grund für die Grenzquerung. Bei im Ausland immatrikulierten Fahrzeugen standen Pendeln (40 Prozent) und Freizeit (37 Prozent) an der Spitze.
Auf der Schiene stand der Einkauf bei Fahrgästen mit Wohnsitz in der Schweiz an zweiter Stelle: 19 Prozent nannten ihn als Fahrtzweck, nach der Freizeit mit 57 Prozent.
Die grössten Fahrzeuganteile am Einreiseverkehr entfielen auf die Relationen Frankreich–Schweiz (36 Prozent) und Deutschland–Schweiz (22 Prozent). Nach Immatrikulationsland betrachtet lagen Schweizer Fahrzeuge mit 37 Prozent vor französischen mit 29 Prozent.
Einkaufstourismus: Fahrtzwecke im Strassenverkehr (2015)
Was eingekauft wird und wie viel dafür ausgegeben wird
Die Studie «Einkaufstourismus Schweiz 2025» beziffert die Ausgaben in Geschäften im Ausland für 2025 auf knapp 9,2 Milliarden Franken. Die repräsentative Langzeitstudie beruht auf einer Befragung von über 3'000 Konsumentinnen und Konsumenten in allen Sprachregionen der Schweiz.
72 Prozent der Schweizer Bevölkerung kaufen im Ausland ein. Sie fahren dafür durchschnittlich 5,1-mal pro Jahr über die Grenze und legen rund 118 Kilometer zurück. Pro Besuch in stationären Geschäften geben sie im Durchschnitt 230 Franken aus.
Lebensmittel machen einen grossen Teil der Ausgaben aus: 2025 gaben Schweizerinnen und Schweizer fast 4 Milliarden Franken in Lebensmittelgeschäften ausserhalb der Landesgrenzen aus.
Auch Onlinekäufe gehören zum Einkaufstourismus. Die Onlineverkäufe erreichten 1,6 Milliarden Franken; der durchschnittliche Betrag pro Bestellung lag bei 188 Franken.
Entwicklung: stationärer Einkauf im Ausland verliert an Bedeutung
Die Ausgaben in Geschäften im Ausland stiegen 2025 gegenüber 2022 um fast 10 Prozent auf knapp 9,2 Milliarden Franken. Allein die Ausgaben für Lebensmittel nahmen in diesem Zeitraum um mehr als 800 Millionen Franken zu.
Die Onlineverkäufe stiegen um 10 Prozent auf 1,6 Milliarden Franken. Pro Bestellung wurden durchschnittlich 188 Franken ausgegeben.
Die Senkung der Zollfreigrenze von 300 auf 150 Franken im Januar 2025 bremste den Anstieg bei bestimmten Warengruppen, darunter Einrichtungsgegenstände und Drogerieartikel. Bei Lebensmitteln zeigte sich dieser Effekt nicht.
Die BFS-Erhebung zählt Grenzübertritte und Fahrtzwecke für 2015; die Studie der Universität St.Gallen erfasst Ausgaben und Einkaufsverhalten. Die Prozentanteile der Grenzfahrten von 2015 und die Ausgabenentwicklung von 2022 bis 2025 bilden deshalb keine direkte Zeitreihe.
Einordnung: Einkaufstourismus und der hiesige Detailhandel
Die Konsumentinnen und Konsumenten schätzten Waren in der Schweiz im Durchschnitt 66 Prozent teurer ein als im grenznahen Ausland. In den fünf untersuchten Warengruppen betrug der tatsächliche Preisunterschied durchschnittlich 40 Prozent; die Preisvorteile wurden damit um 26 Prozentpunkte überschätzt.
Die wichtigsten Motive für Einkäufe im Ausland sind tiefere Preise, Produkte, die es in der Schweiz nicht gibt, und eine grössere Auswahl.
Als geschätzte Umsatzverluste des Schweizer Detailhandels nennt die Studie 1,8 Milliarden Franken bei Einrichtungsgegenständen, 1,4 Milliarden bei Bekleidung, 1,15 Milliarden bei Drogerieartikeln und 730 Millionen bei Sportartikeln.


