
Konsumtrends
Haushaltsbudgets in der Schweiz auswerten
Eine einzelne Ausgabenzahl sagt wenig. Erst im Verhältnis zum Einkommen wird sichtbar, ob ein Posten hoch oder tief ist.
Ein Haushaltsbudget auswerten heisst vergleichen – nicht schätzen
Eine einzelne Ausgabenzahl sagt wenig. Erst im Verhältnis zum Einkommen wird sichtbar, ob ein Posten hoch oder tief ist. In der Schweiz liefert die Haushaltsbudgeterhebung (HABE) des Bundesamts für Statistik die zentrale Datengrundlage; sie erfasst die Haushaltsbudgets der Wohnbevölkerung detailliert.
Auswerten heisst Anteile und Verhältnisse prüfen. Wie viel des Bruttoeinkommens ist obligatorisch gebunden, wie viel fliesst in den Konsum, was liegt dazwischen? Wer nur Beträge betrachtet, ohne sie ins Verhältnis zu setzen, kann die eigenen Zahlen nicht mit schweizerischen Durchschnittswerten vergleichen.
Vergleichswerte stammen aus der Haushaltsbudgeterhebung 2023 des BFS, publiziert am 17. November 2025. Das BFS ist das nationale Kompetenzzentrum der öffentlichen Statistik der Schweiz; es produziert und publiziert statistische Informationen zu Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft.
Bruttoeinkommen, verfügbares Einkommen, obligatorische Ausgaben zuerst auseinanderhalten
Das Bruttoeinkommen umfasst alle Einnahmen eines Haushalts, bevor obligatorische Ausgaben abgezogen werden. Das verfügbare Einkommen entspricht dem Bruttoeinkommen abzüglich der obligatorischen Ausgaben. Wer beide Grössen vermischt, zählt Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge doppelt und vergleicht anschliessend Unvergleichbares.
Die Einheit ist der Haushalt, nicht die Person: Eingerechnet sind die Einkommen sämtlicher Mitglieder. Ein Haushalt bestand in der Schweiz 2023 im Durchschnitt aus 2,07 Personen. Pro-Kopf-Werte sind mit den BFS-Zahlen nicht vergleichbar.
Bezugszeitraum ist der Monat. Jährliche Zahlungen wie der 13. Monatslohn gehören zum Haushaltseinkommen und müssen in die Monatsbetrachtung eingeordnet werden. Dasselbe gilt für einmalige Einnahmen, die über das Jahr verteilt anfallen.
Die Einnahmenseite vollständig erfassen – der Lohn ist nicht alles
Zum Haushaltseinkommen zählen monatlich ausbezahlte Löhne und Zulagen sowie jährliche Zahlungen wie der 13. Monatslohn. Dazu kommen erhaltene Renten, Sozialleistungen, Überweisungen von anderen Haushalten und Vermögenserträge wie Zinsen und Dividenden.
2023 stammten durchschnittlich 73,6 Prozent des Bruttoeinkommens aus Erwerbsarbeit. Renten und Sozialleistungen machten 20,8 Prozent aus und waren damit die zweitwichtigste Einkommensquelle.
Vermögenserträge trugen im Mittel 4,5 Prozent zum Bruttoeinkommen bei; für viele Haushalte war das eine untergeordnete Rolle. Nur bei jedem siebten Haushalt machte dieser Anteil mehr als 4,5 Prozent des Bruttoeinkommens aus.
Überweisungen von anderen Privathaushalten, etwa Alimentenzahlungen, trugen durchschnittlich 1,1 Prozent zum Bruttoeinkommen bei. Diese Einkommensquelle war vor allem bei Einelternhaushalten bedeutend.
Der gebundene Teil: 3154 Franken oder 30,5 Prozent des Bruttoeinkommens
Die obligatorischen Ausgaben betrugen 2023 durchschnittlich 3154 Franken pro Monat, 30,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Dieser Block steht vor dem Konsum und lässt sich kurzfristig kaum verändern.
Steuern waren der grösste Einzelposten: durchschnittlich 1245 Franken pro Monat. Das entspricht 12,0 Prozent des Bruttoeinkommens.
Sozialversicherungsbeiträge wie AHV- und Pensionskassenbeiträge machten 10,3 Prozent des Bruttoeinkommens aus. Obligatorische Krankenkassenprämien folgten mit 6,7 Prozent, monetäre Transferausgaben an andere Haushalte mit 1,5 Prozent.
Für die Auswertung des eigenen Budgets gehören diese Posten in eine eigene Kategorie. Wer Steuern, Beiträge und Prämien beim Konsum verbucht, erhält eine Konsumquote über der BFS-Zahl und zieht daraus falsche Schlüsse.
Konsumausgaben von 5049 Franken – und was danach noch offen ist
Für Konsumausgaben verwendeten die Haushalte 2023 durchschnittlich 5049 Franken pro Monat. Das entspricht 48,8 Prozent des Bruttoeinkommens.
Verfügbar heisst nicht frei verfügbar: Das verfügbare Einkommen von 7186 Franken pro Monat ist der Betrag nach den obligatorischen Ausgaben. Darin enthalten sind Konsumausgaben, die sich kurzfristig kaum senken lassen, etwa Wohnen oder Grundnahrungsmittel.
Ansatzpunkte liegen bei den verschiebbaren Konsumausgaben, nicht bei den gebundenen. Wer die eigenen Konsumausgaben als Anteil des Bruttoeinkommens ausdrückt, kann sie direkt mit den 48,8 Prozent vergleichen.
Der Durchschnitt als Massstab – und woher die Zahlen kommen
Das durchschnittliche verfügbare Haushaltseinkommen betrug 2023 7186 Franken pro Monat und blieb im Vergleich zum Vorjahr stabil. Dieser Wert dient als Referenzgrösse für das eigene Budget.
Der Durchschnitt beschreibt den typischen Haushalt nur bedingt. Rund 61 Prozent aller Haushalte wiesen 2023 ein verfügbares Einkommen unter dem schweizerischen Mittelwert auf.
Einpersonenhaushalte erreichen das Niveau von Mehrpersonenhaushalten oft nicht. Der Grund ist die Haushaltszusammensetzung: In Mehrpersonenhaushalten können mehrere Personen zum Haushaltseinkommen beitragen.
Alle Werte stammen aus der Haushaltsbudgeterhebung des Bundesamts für Statistik zum Erhebungsjahr 2023, publiziert am 17. November 2025. Die detaillierten Ergebnisse veröffentlicht das BFS; ein Teil der Datensätze steht über das offene Datenportal des Bundes zur Verfügung.


