
Nachfrageprognosen
Frühindikatoren der Schweizer Nachfrage gezielt nutzen
Die amtlichen Quartalsschätzungen des Bruttoinlandprodukts (BIP) erscheinen mit rund 60 Tagen Verzögerung.
Warum die Schweizer Nachfrage nach vorlaufenden Signalen verlangt
Die amtlichen Quartalsschätzungen des Bruttoinlandprodukts (BIP) erscheinen mit rund 60 Tagen Verzögerung. Während dieser zwei Monate liefert die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung keinen Hinweis zur Wirtschaftslage im abgelaufenen Quartal.
Frühindikatoren sind Kennzahlen, die der konjunkturellen Entwicklung vorlaufen und Trendänderungen früher anzeigen. Für die Planung eignen sich deshalb vor allem Signale, die deutlich vor den BIP-Zahlen verfügbar sind.
Die Schweiz ist eine kleine, offene Volkswirtschaft und von Entwicklungen im Ausland abhängig. Beobachten Sie daher inländische Signale ebenso wie die Konjunktur bei den wichtigsten Handelspartnern und in den grössten Volkswirtschaften.
Vorteile und Grenzen der Frühindikatoren
- VorteileFrühe Signale zur Konjunktur, Vorlauf bis zu sechs Monate, hohe Relevanz für die Schweizer Wirtschaft
- GrenzenNicht alle Indikatoren sind gleich zuverlässig; Umfragen können subjektiv sein; externe Faktoren (z. B. globale Krisen) beeinflussen Ergebnisse
Harte Messdaten und weiche Stimmungsbilder unterscheiden
Harte Frühindikatoren beruhen auf messbaren, kontinuierlichen Wirtschaftsdaten. Weiche Stimmungsindikatoren stammen aus Umfragen und bilden Einschätzungen oder Erwartungen diskret ab.
Der Konsumentenstimmungsindex des SECO erfasst die Einschätzungen der Haushalte; KOF-Umfragen zeigen, wie Unternehmen ihre Lage und Entwicklung beurteilen. Beide Arten ergänzen sich: Messdaten beschreiben beobachtete Grössen, Umfragen die Einschätzungen der Akteure.
Harte vs. weiche Frühindikatoren – Unterschiede und Nutzung
- Harte Frühindikatoren
- Messbare Daten (z. B. Baubewilligungen, Produktionszahlen)
- Weiche Stimmungsindikatoren
- Umfragen zu Einschätzungen (z. B. Konsumentenstimmung, Unternehmensumfragen)
Der Sammelindikator «Konjunkturstimmung Schweiz» als Bündelung
Der Sammelindikator «Konjunkturstimmung Schweiz» (KSS) des SECO fasst 40 inländische Stimmungsindikatoren mit guten Vorlaufeigenschaften zusammen. Er soll Wendepunkte im Konjunkturzyklus frühzeitig erkennen lassen.
Das SECO veröffentlicht den KSS monatlich, jeweils am 10. des Monats oder am darauffolgenden Arbeitstag. Zeitreihendaten stehen auch als maschinenlesbare CSV-Datei zur Verfügung.
Wichtige Kennzahlen der Schweizer Nachfrage
- 40Anzahl Stimmungsindikatoren im KSS
- 5%Bauwirtschaftsanteil am BIP
- 10%Bauinvestitionen am BIP
Konsumentenstimmung und Unternehmensumfragen als Nachfragebarometer
Das KOF Konjunkturbarometer ist ein vorlaufender Sammelindikator, den die KOF seit den 1970er-Jahren veröffentlicht. Seine Datenbasis umfasst über 500 Indikatoren; üblicherweise werden mehr als 300 ausgewählt, und die Auswahl wird jeden Herbst neu bestimmt.
Die KOF befragt monatlich oder vierteljährlich mehr als 8000 Unternehmen, unter anderem zu Produktions- und Personalplanungen, Auftragsbeständen, Fertigwarenlagern und ihrer allgemeinen Geschäftslage. Die Umfrageergebnisse für den jeweiligen Monat liegen bereits am Monatsende vor; systematisch durchgeführt wird die Firmenumfrage seit 1955.
Der monatlich erscheinende PMI von procure.ch und UBS Switzerland AG stützt sich auf Angaben von über 430 Einkaufsmanagern. Der PMI Industrie fragt unter anderem Produktion, Auftragsbestand und Einkaufsmenge ab; der PMI Service erfasst Geschäftstätigkeit, Neuaufträge und Auftragsbestand.
Baubewilligungen und Bauinvestitionen als besonders aussagekräftiger Vorlauf
Baubewilligungen sind ein harter Frühindikator und laufen den Bauinvestitionen etwa sechs Monate voraus. Ihre Anzahl lässt Rückschlüsse auf die künftige Bautätigkeit zu.
Die Bauwirtschaft trägt gut 5 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei; Bauinvestitionen machen etwa 10 Prozent des Schweizer BIP aus. Weil ein erheblicher Teil der Vorleistungen aus dem Inland stammt, ist der Importanteil vergleichsweise gering und Änderungen bei den Bauinvestitionen können sich stark auf die übrige Wirtschaft übertragen.
Die KOF prognostiziert die Bauwirtschaft vierteljährlich im Rahmen ihrer Gesamtprognose und liefert halbjährlich detaillierte Prognosen für Euroconstruct. Zudem berechnet sie für das «Baublatt» zwei Indikatoren zu erwarteten Investitionsausgaben in Millionen Franken und zu Vorjahresveränderungsraten; sie erscheinen zu Monatsbeginn im Februar, Mai, August und November.
Aussenwirtschaftliche Signale und der geldpolitische Blickwinkel
Die SNB analysiert die Konjunktur in der Schweiz und im Ausland und richtet besonderes Augenmerk auf die wichtigsten Handelspartner sowie die grössten Volkswirtschaften. Sie erhebt zum Teil eigene Daten und verfolgt auch Einschätzungen und Prognosen anderer Institutionen.
Zu den Indikatoren im Zentrum ihrer Analysen zählen BIP-Wachstum, Auslastung der Unternehmen, Nachfrage nach Gütern, Konsumentenstimmung und Arbeitsmarktlage. Die SNB führt zudem eigene Umfragen durch und veröffentlicht eine BIP-Wachstumsprognose für das laufende und das Folgejahr.
Die SNB muss die Preisstabilität gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung tragen; die Preisstabilität hat Vorrang. Geldpolitik eignet sich nicht für eine kurzfristige Feinsteuerung der Wirtschaft.
Ein schlankes Beobachtungsset für die eigene Planung zusammenstellen
Legen Sie zuerst fest, welche Nachfragekanäle für Ihre Planung wichtig sind. Für Haushaltsstimmung eignet sich der SECO-Konsumentenstimmungsindex; für Unternehmensaufträge bieten KOF-Umfragen und PMI Auftragsbestände oder Neuaufträge, für den Bau Baubewilligungen und KOF-Bauindikatoren.
Ordnen Sie jeder Reihe ihren Veröffentlichungsrhythmus zu: Der KSS erscheint monatlich am 10. oder am folgenden Arbeitstag, der PMI monatlich und KOF-Umfrageergebnisse liegen am Monatsende vor. Ergänzen Sie für die Bauplanung die «Baublatt»-Indikatoren, die viermal jährlich in den Monaten Februar, Mai, August und November erscheinen.
Halten Sie für jedes Signal den aktuellen Stand, den Vergleich zur vorherigen Veröffentlichung und das Veröffentlichungsdatum fest. Notieren Sie auch, ob sich ein Umfragewert oder eine Messgrösse verbessert, kaum verändert oder verschlechtert hat.
Nutzen Sie den KSS als gebündelten Stimmungsrahmen und prüfen Sie daneben die für Ihre Planung relevanten Einzelindikatoren. Wenn mehrere Signale wie Aufträge, Konsumentenstimmung oder Baubewilligungen in dieselbe Richtung weisen, haben Sie eine breitere Grundlage für die Planung als mit einer einzelnen Kennzahl.
Veröffentlichungsrhythmus wichtiger Frühindikatoren
- KSS (SECO)
- Monatlich, am 10. oder folgenden Arbeitstag
- PMI (procure.ch / UBS Switzerland AG)
- Monatlich
- KOF-Umfrageergebnisse
- Am Monatsende
- Baublatt-Indikatoren
- Vierteljährlich: Februar, Mai, August, November
Relevante Indikatoren nach Planungsbereich
- Für HaushaltsstimmungSECO-Konsumentenstimmungsindex
- Für UnternehmensaufträgeKOF-Umfragen, PMI (Industrie & Service)
- Für BauplanungBaubewilligungen, KOF-Bauindikatoren, Baublatt-Indikatoren


