
Preisbeobachtung
Verbraucherpreisindex Schweiz richtig lesen: LIK erklärt
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) misst die Preisentwicklung der Waren und Dienstleistungen, die für private Haushalte in der Schweiz bedeutsam sind.
Was der Landesindex der Konsumentenpreise misst
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) misst die Preisentwicklung der Waren und Dienstleistungen, die für private Haushalte in der Schweiz bedeutsam sind. Das Bundesamt für Statistik (BFS) publiziert den Index monatlich; die Reihe besteht seit 1922.
Der Indexstand ist eine Messzahl, keine Prozentangabe. Die Basis wird in grösseren Abständen erneuert; die aktuell publizierte Reihe verwendet die Basis Dezember 2025 = 100. Ein Stand von 100,8 Punkten, wie im März 2026, bedeutet auf dieser Basis: Das gemessene Preisniveau lag 0,8 Prozent über demjenigen im Basiszeitpunkt Dezember 2025. Ältere Reihen werden rechnerisch mit der aktuellen Indexziffer verkettet; so weist die Statistik für März 2026 auf der Basis Dezember 2020 = 100 einen Wert von 107,8 Punkten aus.
Eine Veränderung gegenüber einem Referenzzeitpunkt wird als Teuerungs- oder Inflationsrate angegeben. Bei länger anhaltendem Anstieg des Preisniveaus spricht man von Inflation, bei anhaltendem Rückgang von Deflation. Einzelne Monatswerte genügen für diese Einordnung nicht.
Warenkorb und Gewichtung: warum die eigene Teuerung abweicht
Der LIK beruht auf einem Warenkorb mit mehreren Hundert Güterarten – von Nahrungsmitteln über Dienstleistungen bis zur Miete. Ihre Gewichte richten sich nach der Bedeutung der jeweiligen Ausgaben für die Haushalte und sind im Wägungsschema festgehalten.
Das Wägungsschema wird nur in grösseren Abständen überarbeitet. Zwischen den Revisionen bleibt die Struktur des Warenkorbs konstant, damit die Indexreihe vergleichbar bleibt.
Weil die Gewichte den Durchschnitt aller Haushalte abbilden, misst der LIK eine durchschnittliche Teuerung. Wer überdurchschnittlich viel für stark gestiegene Positionen wie Wohnen oder Energie ausgibt, kann eine höhere persönliche Teuerung erleben.
Für die eigene Einschätzung lassen sich die persönlichen Ausgabenanteile mit dem Wägungsschema vergleichen. Positionen mit hohem Gewicht prägen den Index stärker als seltene Ausgaben.
LIK und harmonisierter Index: zwei Zahlen, zwei Zwecke
Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) wird seit Januar 1997 in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie in den Efta-Ländern Norwegen und Island erstellt. Im Rahmen des Statistikabkommens mit der EU publiziert das BFS den HVPI seit 2008 auch für die Schweiz.
Der HVPI ergänzt den LIK, ersetzt ihn aber nicht. Der LIK wird weiterhin monatlich publiziert und bleibt die zentrale nationale Messgrösse.
Die beiden Indikatoren unterscheiden sich im Erfassungsbereich und dadurch in der Gewichtung. Der Anteil der Ausgaben für Wohnen ist im HVPI kleiner als im LIK; die Ausgaben für «andere Waren und Dienstleistungen» sind im HVPI deutlich höher.
Der HVPI ermöglicht den internationalen Vergleich der Preisentwicklung im Zeitverlauf, insbesondere für Ländergruppen. Ein wichtiger Indikator ist der Verbraucherpreisindex der Europäischen Währungsunion, der als Mass für das Preisstabilitätsziel der Europäischen Zentralbank dient. Für nationale Anwendungen wie Geldpolitik und Indexierung bleibt der LIK massgebend.
Unterschiede zwischen LIK und HVPI: Gewichtung von Ausgabenkategorien
- Wohnen
- höher im LIK
- Andere Waren und Dienstleistungen
- höher im HVPI
- Zweck
- Nationales Mass (LIK), internationale Vergleichbarkeit (HVPI)
Indexstand und Veränderungsrate richtig lesen
Eine Veränderungsrate ergibt sich aus dem Vergleich zweier Indexstände: (neuer Indexstand ÷ früherer Indexstand − 1) × 100. Entscheidend ist, welcher Referenzzeitpunkt gemeint ist.
Ein Rechenbeispiel: Im April 2023 lag der LIK bei 106,0 Punkten (Basis Dezember 2020 = 100) und blieb gegenüber dem Vormonat unverändert. Mit den publizierten Ständen lautet die Rechnung (106,0 ÷ 106,0 − 1) × 100 = 0,0 Prozent.
Für Februar 2025 meldete das BFS einen LIK-Stand von 107,4 Punkten (Basis Dezember 2020 = 100). Gegenüber dem Vormonat stieg der Index um 0,6 Prozent, gegenüber dem Vorjahresmonat betrug die Teuerung 0,3 Prozent. Die beiden Raten beantworten unterschiedliche Vergleichsfragen.
Gängige Lesarten sind die Veränderung zum Vorjahresmonat, die Veränderung zum Vormonat und der Jahresdurchschnitt. Der Vorjahresvergleich blendet saisonale Muster aus und ist die übliche Angabe der Inflationsrate.
Die Kernrate lässt stark schwankende Positionen wie Nahrungsmittel und Energie weg. Sie zeigt den Grundzug der Teuerung, wenn einzelne Gütergruppen die Gesamtrate stark bewegen.
Ein einzelner Monatswert belegt noch keinen Trend: Ausschläge können auf Sonderfaktoren beruhen. Erst mehrere Monate mit gleichgerichteter Veränderung ergeben ein belastbares Bild.
Wo der Index im Alltag ansetzt – und wo die Zahlen herkommen
Der LIK bildet eine Grundlage für die Indexierung von Löhnen, Renten und anderen Geldwerten. Enthält ein Vertrag eine Wertsicherungsklausel, können wiederkehrende Zahlungen wie Mieten oder Unterhaltszahlungen an die Teuerung geknüpft sein.
Der Index dient auch der Teuerungsbereinigung: Nominale Grössen in laufenden Preisen werden in reale Grössen umgerechnet, etwa beim realen Wirtschaftswachstum. So lässt sich beurteilen, was von einer Lohnerhöhung nach Abzug der Teuerung bleibt.
Für Kaufkraftfragen ist die Veränderung über zwölf Monate passend. Bei Vertragsanpassungen zählen der vertraglich vereinbarte Referenzindex und Referenzmonat.
Das BFS publiziert die offiziellen Werte monatlich auf seiner Themenseite Konsumentenpreise und führt dort den LIK sowie parallel den HVPI. Bei der Weitergabe von Zahlen sollten Indexart, Basisjahr und Publikationsmonat angegeben werden.
Häufigste Anwendungen des LIK im Alltag
- Indexierung von Mieten und Unterhaltszahlungennach Vertrag mit Referenzindex
- Anpassung von Renten und Löhnenbei Verträgen mit Wertsicherungsklausel
- Teuerungsbereinigung für reales WirtschaftswachstumUmrechnung nominaler in reale Grössen


