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Preisbeobachtung

Preisentwicklung im Schweizer Detailhandel verfolgen

Ein Umsatzwert ist das Produkt aus verkaufter Menge und Preis.

Preise und Umsätze sind zwei verschiedene Grössen

Ein Umsatzwert ist das Produkt aus verkaufter Menge und Preis. Das Bundesamt für Statistik weist deshalb zwei Reihen aus: nominale Umsätze in Franken und reale Umsätze, welche die Teuerung berücksichtigen. Die reale Reihe zeigt die Entwicklung der verkauften Menge.

Im Juli 2024 stiegen die um Verkaufs- und Feiertagseffekte bereinigten Detailhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahresmonat nominal um 1,5 Prozent. Real stiegen sie um 2,7 Prozent. Das zeigen die provisorischen Ergebnisse des Bundesamtes für Statistik.

Liegt das reale Wachstum über dem nominalen, war der Preiseffekt im Detailhandel negativ: Die Preise dämpften den Umsatz. Wer nur die nominale Reihe verfolgt, verwechselt Preiseffekte mit Mengenentwicklung. Der Gesamtumsatz des Schweizer Detailhandels lag 2023 laut Statista bei rund 103 Milliarden Franken.

Teuerung messen: Landesindex der Konsumentenpreise und Kerninflation

Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) des Bundesamtes für Statistik ist die Referenzgrösse für die Teuerung in der Schweiz. Er misst die Preisentwicklung eines repräsentativen Warenkorbs und wird monatlich publiziert.

Weil einzelne Güter kurzfristig stark ausschlagen, berechnet die Schweizerische Nationalbank zusätzlich einen «Trimmed mean». Er schliesst die Güter mit den stärksten Preisschwankungen nach oben und unten aus – je 15 Prozent.

Der LIK zeigt das vollständige Bild, inklusive Energie und saisonaler Nahrungsmittel. Der Trimmed mean glättet diese Ausschläge und macht den zugrunde liegenden Preistrend sichtbar. Für die Einordnung einer einzelnen Monatszahl ist die Kerninflation die robustere Grösse. Für die Belastung der Haushalte ist der LIK massgeblich.

Schweizer Konsumentenpreise: Landesindex und Kerninflation

Landesindex der Konsumentenpreise (LIK)
Monatliche Veröffentlichung, inkl. Energie und saisonale Nahrungsmittel
Kerninflation (Trimmed mean SNB)
Exkludiert 15 % der stärksten Preissteigerungen und -senkungen
Massgeblich für Haushaltsbelastung
Landesindex (LIK)
Robustere Grösse für Preistrend
Kerninflation (Trimmed mean)

Nominal, real und saisonbereinigt: die Detailhandelsumsatzstatistik lesen

Die Detailhandelsumsatzstatistik des Bundesamtes für Statistik weist nominale und reale Umsätze aus, bereinigt um Verkaufs- und Feiertagseffekte. Zusätzlich publiziert sie saisonbereinigte Werte, die den Vergleich mit dem Vormonat erlauben. Die Ergebnisse sind provisorisch und können später revidiert werden.

Die Statistik gliedert sich nach dem gesamten Detailhandel. Sie weist zudem den Detailhandel ohne Tankstellen aus. Weitere Kategorien sind Detailhandel mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren sowie der Nicht-Nahrungsmittelsektor.

Der Juli 2024 zeigt unterschiedliche Segmententwicklungen. Ohne Tankstellen wuchs der nominale Umsatz um 1,6 Prozent, real +2,9 Prozent. Bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren stieg der nominale Umsatz um 2,4 Prozent, real +2,3 Prozent. Im Nicht-Nahrungsmittelsektor betrug der nominale Zuwachs 0,8 Prozent, real +3,1 Prozent.

Saisonbereinigt lagen die Zuwächse gegenüber dem Vormonat ohne Tankstellen bei 2,1 Prozent nominal und +1,6 Prozent real. Bei Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren betrugen sie 3,0 Prozent nominal und +2,2 Prozent real. Im Nicht-Nahrungsmittelsektor lagen sie bei 1,3 Prozent nominal und +1,4 Prozent real.

Massstab für das mengenmässige Wachstum ist die reale Reihe. Der Vorjahresvergleich zeigt die Entwicklung über zwölf Monate. Der saisonbereinigte Vormonatsvergleich zeigt die kurzfristige Dynamik.

Vorteile von nominalen und realen Umsätzen im Detailhandel

Pro: Nominaler Umsatz
Zeigt den gesamten finanziellen Wert des Umsatzes einschliesslich Preiseffekten
Con: Nominaler Umsatz
Verzerrt die Mengenentwicklung durch Inflation
Pro: Realer Umsatz
Entfernt den Einfluss der Teuerung – zeigt echte Mengenentwicklung
Con: Realer Umsatz
Benötigt präzise Preisdaten; kann bei Datenlücken verzögert sein

Warum die Detailhandelspreise nicht im Gleichschritt mit dem Gesamtkonsum steigen

Die Preise im Detailhandel folgen nicht einfach der allgemeinen Teuerung. Im ersten Quartal 2022 stiegen sie gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,2 Prozent. Das hielt BAK Economics fest.

Für das Gesamtjahr 2022 erwartete BAK Economics im Detailhandel eine unterdurchschnittliche Teuerung von 1,2 Prozent. Beim gesamten Konsum erwartete BAK Economics 2,1 Prozent.

Für die Detailhandelsumsätze 2022 prognostizierte BAK Economics einen Rückgang von 0,7 Prozent gegenüber 2021. Als Gründe nannte BAK Economics ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine eingetrübte Konsumentenstimmung.

Preis- und Mengenentwicklung laufen also auseinander: Steigende Preise bei sinkenden Umsätzen bedeuten einen Rückgang der verkauften Menge. Ein Grund für die Abweichung liegt im Warenkorb. Der Detailhandel misst Warenpreise. Der gesamte Konsum umfasst auch Dienstleistungen, Mieten und Energie.

Preisentwicklung im Detailhandel: 2022 – Erwartungen und Realität

  • 2022Erster Quartal — Preisanstieg im Detailhandel: +0,2 % gegenüber Vorjahr
  • 2022Gesamtjahr (Prognose) — Teuerung im Detailhandel: 1,2 % | Gesamtkonsum: 2,1 %
  • 2022Gesamtumsatz (Prognose) — Rückgang um 0,7 % gegenüber 2021

Lebensmittelpreise als Sonderfall im Detailhandel

Der Schweizer Detailhandel ist der wichtigste Absatzkanal für die Schweizer Landwirtschaft. Deshalb publiziert die Marktbeobachtung des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) eigene Informationen zu Lebensmittelpreisen und -absätzen im Detailhandel.

Die BLW-Infografik zum Schweizer Detailhandel zeigt die Lebensmittelausgaben nach Warengruppen, Detailhandelskanälen und Haushalten. Sie ist eine statische Betrachtung des Jahres 2020. Die auswertbaren Daten stehen als Begleitdokument in Excel zur Verfügung, ergänzt durch ein FAQ zum Aufbau.

Dass sich Sortimente unterschiedlich entwickeln, zeigen auch die Umsatzzahlen des Bundesamtes für Statistik. Im Juli 2024 wuchs der nominale Umsatz mit Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren um 2,4 Prozent. Im Nicht-Nahrungsmittelsektor wuchs er um 0,8 Prozent.

So lässt sich die Entwicklung laufend verfolgen

Für die laufende Beobachtung genügen drei Quellen. Das Bundesamt für Statistik publiziert monatlich die Medienmitteilung und die Statistik zu den Detailhandelsumsätzen. Es publiziert zudem die Preisstatistiken, insbesondere den Landesindex der Konsumentenpreise.

Die Kerninflation der Schweizerischen Nationalbank («Trimmed mean») liefert Zusatzinformation. Sie klammert die Güter mit den stärksten Preisschwankungen nach oben und unten aus – je 15 Prozent.

Bei Lebensmitteln lohnt sich zusätzlich die Marktbeobachtung des Bundesamtes für Landwirtschaft. Sie schlüsselt Preise und Absätze nach Warengruppen, Kanälen und Haushalten auf.

Nominale Zahlen ohne Einbezug der Teuerung sagen wenig über die tatsächliche Entwicklung aus. Wer nominale und reale Wachstumsraten nebeneinanderlegt, sieht, welcher Teil des Umsatzwachstums auf Preise und welcher auf Mengen zurückgeht.

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