
Preisbeobachtung
Erzeuger- und Importpreise für den Detailhandel einordnen
Der Produzentenpreisindex misst die Preisentwicklung von Gütern, die von im Inland tätigen Unternehmen produziert und verkauft werden. Er erfasst damit die Ebene der inländischen Produktion.
Was der Produzenten- und Importpreisindex erfasst
Der Produzentenpreisindex misst die Preisentwicklung von Gütern, die von im Inland tätigen Unternehmen produziert und verkauft werden. Er erfasst damit die Ebene der inländischen Produktion. Das hält eine Machbarkeitsstudie der Fachhochschule Nordwestschweiz fest.
Bei Importen erhebt das Bundesamt für Statistik die Preise an der Schweizer Grenze. Sie werden unverzollt erfasst, also abzüglich Mehrwert- und Verbrauchssteuern sowie abzüglich Zoll.
Zusammen bilden Produzenten- und Importpreisindex den Preisindex des Gesamtangebots. Das BFS ordnet die Erhebung den Bereichen Produktion, Grosshandel und Import zu.
Der Index beschreibt die Beschaffungsseite. Was zwischen Grenz- oder Produzentenpreis und Ladenregal geschieht, bleibt ausserhalb der Erhebung.
Wo die Aussagekraft der Indexe für den Detailhandel endet
Zwischen Grenzpreis und Ladenpreis entstehen Kosten, die der Index nicht erfasst. Dazu zählen Distribution, Warenbewirtschaftung, Logistik, Marketing und Arbeitskraft; sie fallen erst nach der Preiserhebung an.
Ein unveränderter Importpreisindex erlaubt deshalb keinen Schluss auf stabile Detailhandelspreise. Sinkt der Grenzpreis, kann der Regalpreis gleich bleiben, wenn die nachgelagerten Kosten steigen.
Umgekehrt kann sich der Ladenpreis bewegen, ohne dass der Index dies zeigt, wenn Händler Kosten auffangen oder ihre Margen anpassen. Der Index ist eine Beschaffungsgrösse, keine Konsumentenpreisgrösse.
Die Kostenblöcke hinter den Schweizer Detailhandelspreisen
Eine Studie von BAK Economics im Auftrag der Swiss Retail Federation vergleicht Kosten und Preise des Detailhandels in der Schweiz mit den vier grossen Nachbarländern. Der Schweizer Detailhandel trägt demnach rund 50 Prozent höhere Kosten.
Rund zwei Drittel dieses Kostennachteils entfallen auf die teurere Warenbeschaffung im In- und Ausland. Der Rest verteilt sich zu gleichen Teilen auf Arbeits- und Vorleistungskosten.
Als Gründe nennt die Studie die geringe Grösse des Schweizer Absatzmarktes und eine Preisdiskriminierung wegen der höheren Schweizer Kaufkraft. Die Beschaffung ist sowohl bei Importen als auch im Inland teurer.
Preisunterschied und Kostennachteil fallen auseinander
Die Preise für Detailhandelsprodukte liegen in der Schweiz der Studie zufolge nur rund 35 Prozent über jenen der Nachbarländer. Die Kosten liegen 50 Prozent höher; daraus ergibt sich eine Lücke von 15 Prozentpunkten.
Rund zwei Drittel dieser Lücke erklärt die Studie mit der tieferen Mehrwertsteuer der Schweiz. Zusätzlich wirken das günstigere Zinsumfeld und die tiefere Unternehmensbesteuerung.
Für die Swiss Retail Federation folgt daraus ein intensiver Wettbewerb. Präsidentin Daniela Schneeberger hält fest, die Detailhändler müssten einmal erlangte Preisvorteile grundsätzlich an die Konsumenten weitergeben.
Direktorin Dagmar Jenni ergänzt, die Studie räume mit Aussagen auf, die auf Einzelfällen basieren; Schweizer Detailhändler würden für Produkte das Mehrfache der Nachbarstaaten verlangen.
Verhaltener Preisanstieg als Gegenprobe
Im ersten Quartal 2022 stiegen die Preise im Schweizer Detailhandel gegenüber dem Vorjahresquartal kaum, um 0.2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2022 erwartete BAK Economics eine unterdurchschnittliche Teuerung von 1.2 Prozent im Detailhandel, gegenüber 2.1 Prozent beim gesamten Konsum.
Damit koppelte sich der Detailhandel vom allgemeinen Inflationstrend ab. Für die Umsätze prognostizierte BAK Economics gegenüber 2021 einen Rückgang von 0.7 Prozent.
Teuerung im Schweizer Detailhandel 2022
- 1.2Detailhandel
- 2.1Gesamter Konsum
Hochpreisinsel oder Hochkosteninsel? Einordnung für die Praxis
Die Schweiz erscheint damit vor allem als Hochkosteninsel, nicht in erster Linie als Hochpreisinsel. Der Kostenabstand zum Ausland übersteigt den Preisabstand.
Als Ansatzpunkte nennt die Swiss Retail Federation den Abbau von Regulierungen, weniger Marktabschottung und die Stärkung von Einkaufsgemeinschaften. Damit verschiebt sich die Diskussion von den Preisen zu den Kosten.
Treiber der aktuellen Debatte ist der Einkaufstourismus im angrenzenden Ausland, der angetrieben vom starken Franken wieder zunimmt. Dagmar Jenni hält fest, der Schweizer Detailhandel werde nie so günstig sein können wie die Nachbarländer.


